Rätoromanisch

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http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/05/blank/key/sprachen.html

Das Rätoromanisch wird in der kleinen Region des Engadins gesprochen und gehört somit zu der Gruppe der sowohl kulturellsten als auch bedrohtesten Sprachen. Dies wird schon nur durch die Statistik evident. Heutzutage können nur 0.5% der Schweizer Rätoromanisch reden, wo es in 1970 noch 0.8% waren. Zwar könnte argumentiert werden, dass 0.3% nur ein kleiner Unterschied zwischen 1970 und 2013 ist, aber die Statistik fokussiert sich auf die ganze Schweiz. Wenn man die Region des Engadins unter die Lupe nimmt, dann ist es evident wie der Gebrauch der Sprache in den letzten zwanzig Jahren geschrumpft ist. Es werden zwar immer noch alle Primarschüler in Rätoromanisch unterrichtet ausser in St. Moritz, aber dies heisst noch lange nicht, dass Rätoromanisch ausserhalb des Unterrichts gesprochen wird. Ich habe viele bekannte, welche Rätoromanischen Unterricht hatten und nun zehn Jahre später die Sprache fast nicht mehr sprechen können. Dies ist auch der Fall bei mir; ich wurde in Rätoromanisch für drei Jahre unterrichtet und alles was übrig geblieben ist, sind die Chalandamarz Lieder.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage inwiefern die Sprache Teil der Wichtigkeit der Literatur “Schellenursli” ist. Schliesslich kennen die meisten Leute die Erzählung in Deutsch. Die Antwort zu dieser Frage kommt in zwei Teilen. Auf der einen Seite ist das Rätoromanisch nicht unbedingt wichtig für das Bilderbuch, denn die unterhaltende Funktion den Kindern eine Geschichte zu überliefern, wird erfüllt. Jedoch wenn man nach der These geht, dass “Schellenursli” auch als Träger der Tradition und Kultur dienen kann, dann wird das Rätoromanisch ein zentraler Punkt. Die Orginalverfassung “Uorsin” wurde in Rätoromanisch geschrieben. Zudem dreht sich die ganze Erzählung um Chalandamarz – ein mehr rätoromanisches Fest gibt es fast überhaupt nicht. Daher wenn man die Literatur als Träger der Kultur und Tradition sieht, unterstreichen die Statistiken wie “Schellenurli” mehr verkörpert als nur die Geschichte. Vielleicht wird eines Tages Rätoromanisch ganz aus dem Engadin verschwinden und nur durch Kunst wie Literatur oder Lieder erhalten bleieben. In diesem Fall sind Objekte wie “Schellenursli” ein wichtiger und wertvoller Schatz.

Der Artikel “Rätoromanisch steht vor einer stillen Zukunft” suggeriert, dass die Sprache nur erhalten bleiben kann, wenn das Schweizer Volk die Initiative nimmt sie aktiv zu brauchen. Jedoch betont der Artikel auch wie die zunehmende Anzahl der Deutschsprachigen und der gesellschaftliche Wandel diesen Prozess erschweren. Dies unterstreicht die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann das Rätoromanisch ganz von dem Engadiner Alltag verschwindet – ob dies wirklich passiert ist die Frage. Schon seit Jahren wird gesagt, dass das Rätoromanisch nicht mehr existieren wird und dennoch ist es Teil der Engadiner Gesellschaft. Die Sprache scheint hartnäckiger und sturer zu sein als die meisten gedacht haben und unterstreicht somit die Engadiner Traditionen in unserer heutigen Gesellschaft.